Zurück on tour

Es ist viel passiert in den letzten 4 Monaten. Wir haben den Sommer, beziehungsweise das, was in Norddeutschland dafür gehalten wird, in Bissendorf verbracht. Wie schon beim letzten Mal … in Bissendorf scheine ich nicht zum Schreiben zu kommen. Aber sei es drum, seit 10 Tagen sind wir wieder unterwegs, erst in Berlin und am letzten Sonntag haben wir das Land verlassen und genießen nun die österreichische Sonne in der Nähe von Linz, 28 Grad und Badespaß im See inklusive. (Und da ist dann plötzlich auch wieder Zeit und Lust zum Schreiben.)

 

 

Die ersten Tage brauchen wir erfahrungsgemäß um uns einzugrooven, auch unsere „Ferien“ sind zuende und die Mädels haben „das Lernen“ wieder aufgenommen. Viele neue Erkenntnisse habe ich bei der Vorbereitung auf das neue Schuljahr gewonnen, dazu in den nächsten Wochen mehr.

Und nun das Wichtigste, wir sind jetzt einer mehr! Das Unmögliche ist passiert … wir haben einen kleinen Jungen bekommen! Mitte Juni hat uns unser kleiner Henk überrascht. Gleich mehrfach, zum einen war er noch vor der Hebamme da und zum anderen hatten wir auch fest mit einem fünften Mädchen gerechnet. Macht aber nichts, er hat die Herzen aller Familienmitglieder im Sturm erobert. Er ist wohl am ehesten das, was man als einen Sonnenschein bezeichnet und am Allerliebsten liegt er mittendrinn. Ein bisschen ist es, als wäre er schon immer dabei. Es gibt gar keine Worte dafür, wie sehr wir ihn lieben.

 

 

Wir freuen uns sehr auf die nächsten Wochen; den Sommer etwas verlängern und wieder Geschwindigkeit aus dem Alltag herausnehmen. Die Tour führt uns diesmal nach Süd-Osteuropa, wobei die genaue Reiseroute noch nicht feststeht. Wir werden uns natürlich nach den aktuellen Reiseregelungen richten müssen und auch ein paar organisatorische Dinge im Blick behalten, aber abgesehen davon wollen wir interessante Orte sehen und noch mehr als bei den letzten Touren die Länder entdecken.

Mit der festen Überzeugung immer dorthin zu gelangen, wo wir sein sollen, geht es weiter…

 

Der Sonne entgegen

Die letzten Wochen war es sehr ruhig hier auf diesen Seiten … das hatte verschiedene Gründe. Ein Grund war, dass wir weiter gezogen sind und das raue Irland gegen das schroffe Vulkangestein La Palmas (Kanarische Inseln, links neben Teneriffa und La Gomera) getauscht haben, zum anderen fordert zu Weilen auch die fortschreitende Schwangerschaft ihren Tribut, sodass ich an manchen Abenden einfach sehr früh schlafen gegangen bin. Und außerdem habe ich an einem sehr intensiven Geburtsvorbereitungskurs teilgenommen, der mich sehr gestärkt hat, der aber sowohl zeitlich als auch emotional viele Ressourcen gebunden hat. Auch wenn ich nach vier natürlichen Geburten weiß, wie eine Geburt technisch funktioniert, finde ich es wichtig sich auf jede Geburt vorzubereiten. Und jeder, der mich kennt weiß, wie sehr mir das Thema natürliche und sanfte Geburt am Herzen liegt und das ich der festen Überzeugung bin, dass Geburten grundsätzlich schöne und stärkende Erlebnisse sein können. Ich habe bei diesem Kurs noch einmal viel Neues gelernt und Geburt aus einer ganz anderen Perspektive gesehen. (Für alle, für die das Thema gerade auch aktuell ist, hier der Link zum Kurs: https://diehorlachers.com/intensivkurs/)

Jetzt aber zurück zur Reise… ich gewinne immer mehr den Eindruck, wenn es richtig ist, dann läuft es plötzlich einfach. Das war auch diesmal wieder der Fall, wochenlang haben wir überlegt und gedanklich hin und her geschoben und dann plötzlich fügte sich Eins ins Andere, wir haben ein schönes und erschwingliches Ferienhaus auf La Palma gefunden, Flüge gab es auch (in Zeiten von Corona ist auch das nicht selbstverständlich) und der Geistesblitz mit dem Autorücktransport kam auch rechtzeitig. Koffer?? Gab es einfach geschenkt. Wenn das kein Zeichen ist?!

Als wir unseren lieben, irischen Ferienhausvermietern von unserem Plan erzählten nach La Palma zu fliegen, waren sie erstens ganz begeistert und zweitens steuerten sie wie selbstverständlich zwei riesengroße Koffer bei.

Am Samstagmittag vor einer Woche haben wir dann im County Cork das Auto bestiegen und sind 5 Stunden bis Dublin gefahren. Anders als wir es in anderen Teilen Europas erlebt haben, wird in Irland auf den Straßen kontrolliert, wir sind mehrmals angehalten worden und mussten erklären was wir vorhaben. So sind wir auch in eine etwas erschreckende Auseinandersetzung mit einem irischen Streifenpolizisten geraten, der unsere Unternehmung so gar nicht gutheißen konnte. Da wir nichts Verbotenes tun, waren ihm allerdings die Hände gebunden, was ihn nur noch mehr zu ärgern schien. Armer Kerl.

Unser Auto mit all den Dingen, die wir auf La Palma nicht brauchen würden, haben wir an diesem Abend an Dominic übergeben, ein Transportunternehmer aus Dublin, der unser Auto nach Bissendorf überführt hat. In Dublin übernachteten wir dann in einem typisch britischen Bed and Breakfast. Patric und ich fühlten uns direkt in unsere Zeit in Schottland zurückversetzt. Herrlich!

Pünktlich um 5.30 Uhr standen wir am nächsten Morgen mit unseren zwei neuen Koffern, 4 Bananenkisten und 4 aufgeregten Mädels am Flughafen. Kann mir mal einer erklären, warum Flüge so früh sein müssen? Warum man am Flughafen immer 2 Stunden eher da sein muss? (Und das war diesmal richtig knapp!) Und kann sich jemand vorstellen, wie spät man aufstehen muss, um mit 4 Kindern um halb sechs samt Gepäck am Dubliner Flughafen zu sein? Ich sag es euch um 4 Uhr! Mitten in der Nacht!

Aber mal abgesehen davon, dass ich 4 Uhr aufstehen für eine Zumutung halte (Ja, ich weiß es gibt Leute, die machen das beruflich – ihr habt meinen Respekt.) hat alles reibungslos geklappt. Die Koffer waren nicht zu schwer, der grimmig schauende Beamte vom irischen Grenzschutz VOR der Sicherheitskontrolle (auch so ein Corona-Ding) hat 3 Personen vor uns Feierabend gemacht und als wir das Gefühl bekamen, langsam wird es aber knapp, hat direkt vor uns ein weiterer Schalter an der Sicherheitskontrolle geöffnet, das hat uns einiges an Zeit gespart. Als wir am Gate ankamen, wollten die Damen es gerade schließen, sodass es quasi auf die Minute gepasst hat.  Es hat einfach alles geklappt!

Auch der Flug war absolut okay. Wenn man mit vier Kindern irgendwo hinkommt, sei es ins Flugzeug, in ein Restaurant oder ähnliches, sieht man in ungefähr der Hälfte der Gesichter Panik aufblitzen. Im Flugzeug hätte ich schwören können, dass ein anderer Fluggast sein Gebet von „Lieber Gott, bitte lass das Flugzeug nicht abstürzen“ spontan in „Bitte, lass die Familie mit den vielen Kindern nicht die Reihe vor mir haben“ umgeändert hat. Tja, der hatte leider Pech, er hatte dann die Familie mit dem quengeligen Einzelkind vor sich.

Nachdem Lisbeth dann kurz nach dem Start eingeschlafen ist, vier Uhr aufstehen hat auch seine guten Seiten, der Rest der Bande seine Nasen in die Bücher gesteckt hat, verlief der Flug gerade zu langweilig; sodass es darüber tatsächlich nicht mehr zu berichten gibt als: wir sind geflogen von Irland nach Teneriffa, umstieg in Teneriffa und Weiterflug nach La Palma.

Mit abenteuerlich beladenem Mietwagen sind wir bei Sonnenuntergang am Ferienhaus angekommen – mit dem guten Gefühl „offensichtlich sollten wir genau hier sein“!

Reiseroute

Schon zu Beginn unserer Reise hatte ich den Wunsch unseren Weg irgendwie „sichtbar“ zu machen. Dies schien schnell auch für andere interessant zu sein und so habe ich mich daran gemacht eine Möglichkeit zu finden neben der altmodischen Zettel-Stift-Variante eine modernere Lösung zu finden. Nach viel technischem hin und her, welches sicher auch meinem Unwillen geschuldet ist, gewissen Organisationen nicht alles in meinem Leben preis geben zu wollen, habe ich es nun endlich geschafft.

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Back on the road auch bei stürmischer See

Es war ein eine lange Pause oder wie das Känguru (von M.U. Kling) sagen würde „Hello again!“. Tatsächlich waren wir jetzt etwas ungeplant fast 7 Wochen, nämlich seit Mitte Dezember zuhause in Bissendorf. Seitdem hat sich einiges getan und unsere Abfahrt hat sich ungewollt bis Ende Januar verzögert. Auch hatte ich vor, von zuhause aus den ein oder anderen Beitrag zu schreiben. Daraus ist nichts geworden. Komisch, ich weiß auch gar nicht warum. Scherzhaft habe ich in den letzten Tagen etwas theatralisch behauptet ich hätte eine Schreibblockade, in Wirklichkeit hatte mich der Alltag zuhause so schnell wieder fest im Griff, dass ich mir den Luxus mir Zeit zum Schreiben zu nehmen, einfach nicht genommen haben. Schade, denn ich tue das wirklich gern.

Jetzt sitze ich in Irland, die Kinder schlafen, wir sind vor dem Abendessen ausgiebig spazieren gegangen und endlich gönne ich mir den Luxus wieder etwas zu schreiben. Es gibt tatsächlich eine Menge zu erzählen.

Wie wir hergekommen sind zum Beispiel. Ende Dezember haben wir dieses Ferienhaus in Süd-West Irland und eine Fährüberfahrt gebucht. Ende Dezember war Irland in Sachen Corona auch der Musterschüler der EU, leider änderte sich das kurz nach Weihnachten. Was bedeutet, dass wir nur mit negativem PCR-Test einreisen durften. Gut, ein weiterer Stop auf unserer Reiseroute. So ging es los am Donnerstagmorgen um sieben, von Bissendorf nach Düsseldorf zum Corona-Test „Zentrum“. Wer sich darunter jetzt etwas Modernes high-tech-mäßiges vorstellt, wird enttäuscht sein, ich war es jedenfalls. Es handelte sich dabei um einen Container mit zwei Fenstern auf dem Hof eines Baustoffhändlers. So standen wir also am Donnerstag um halb zehn im strömenden Regen auf dem Hof eines Düsseldorfer Baustoffhändlers. Zum Glück war das Ganze dann aber sehr schnell und unkompliziert abgefrühstückt, sodass wir weiter nach Frankreich fahren konnten. Wir haben kurz hinter der belgisch-französischen Grenze eine Ferienwohnung für den Zwischenstopp für eine Nacht gemietet.

Unsere Kinder sind wirklich unkompliziert was lange Fahrten angeht und ich bin immer wieder erstaunt, dass sie fünf Stunden Autofahren ohne quengeln und größere Pause einfach so mitmachen.  In diesem Fall sogar zwei bzw. drei Tage am Stück. Erst von Bissendorf nach Croix in Frankreich und am nächsten Tag von dort nach Cherbourg zur Fähre.

Tja und dann kam der harte Teil, von Cherbourg nach Rosslare in Irland. Wir sind schon ein paar Mal mit der Fähre gefahren: Kristiansand – Hirtshals, Dünkirchen – Dover und auch schon übernacht von Newcastle nach Amsterdam. Unsere Erfahrungen bisher waren durchweg positiv und das, obwohl ich eigentlich seekrank werde sobald ich mit dem Tretboot auf den Dümmer fahre. Auf Fähren war das bisher zum Glück kein Problem.

Was wir nicht bedacht hatten, es ist Winter und entsprechend stürmisch und von Frankreich nach Irland führt die Route über den Atlantik. Das es ein Fehler war wurde mir klar, als kurz nach der Abfahrt ein irischer Seebär von Kapitän mir erklärte, dass die Fahrt aufgrund des Wetters 3 Stunden länger dauert als geplant und dass ich die Hochbetten der Kinder zusätzlich mit der quergelegten Leiter zwischen Matratze und Rahmen sichern soll und mit einem breiten Grinsen etwas von „fun“, „sailing“ und Herausforderung sagt. Was kann ich sagen? Er hat nicht übertrieben, etwa eine halbe Stunde später ging es los und es dauerte 19 Stunden lang, es war wie 19 Stunden lang Achterbahn fahren. Positiv anzumerken ist, dass unsere Kinder absolut seefest sind. Leider hatten sie deshalb auch kaum Verständnis für die zwei ächzenden Fleischwürste auf den Kabinenbetten, die ihre Eltern darstellten. An dieser Stelle nochmal einen Dank an Patric, der letzte Kräfte mobilisiert hat und mit den Kindern sogar essen gegangen ist. Wäre ich allein gewesen, die Armen hätten hungern müssen. Das hätte ich nicht geschafft!

In Irland angekommen, drei Stunden später als geplant, hatten wir nochmal gute vier Stunden Fahrt in das County Cork vor uns, bis wir im Niemandsland südlich-westlich von Kenmare endlich unser Ferienhaus erreichten. Fester Boden, schaukelfreie Betten – ein Segen!

Auf Reisen lernt man ja oft auch einiges, manchmal über fremde Länder, Sehenswürdigkeiten oder andere Kulturen, meiner Erfahrung nach aber am meisten über sich selbst.

Was ich bei dieser Reise gelernt habe:

Wir sollten uns wirklich mehr mit dem Wetter beschäftigen, das Atlantik im Winter nicht das Gleiche ist wie Ärmelkanal im Sommer hätte man ahnen können. Wobei ich ehrlicher Weise sagen muss, dass ich während der Überfahrt der festen Überzeugung war, dass es grob fahrlässig von der Fährgesellschaft ist diese Fährverbindung nicht deutlich als „gefährlich“ zu kennzeichnen. So in der Art wie es auf Zigarettenpackungen der Fall ist. 😉

Wenn ich Kolumbus gewesen wäre, wäre Trump dieser Tage kein Thema gewesen, bis dahin wäre ich nämlich auf gar keinen Fall gekommen.

Reisen ist „unser Ding“, das wissen wir schon länger, aber wenn es so unglücklich läuft und am Ende trotzdem Alles in Allem alles gut gelaufen ist und auch die Kinder nach drei Tagen im Auto und einer unendlich langen Überfahrt gut zufrieden ankommen – dann ist das wahrscheinlich schon das Richtige.

Ein Eingeständnis noch an alle, die uns immer gesagt haben „ihr könnt die Kinder doch nicht ohne Fernsehen groß werden lassen“. Für alle die es nicht wissen, ein Outing: unsere Kinder schauen kein Fernsehen. Es gibt wenige Ausnahmen: selten mal bei Oma oder Opa, Bildungsfilme in der Schule bzw. jetzt eben auch zuhause und Finja hat drei Romanverfilmungen aus den 50ziger Jahren gesehen, von Büchern die sie zuvor gelesen hatte.
Jedenfalls hatte ich auf der Fähre den ersten Augenblick in 11 Jahren Mutterschaft in denen ich das bereut habe. Nachdem wir die Kinder die partout nicht wollten, bezirzt hatten sich das Kinderkino doch bitte, bitte wenigstens mal anzusehen, nur dieses eine Mal… musste die Unternehmung nach nicht mal 20 Minuten abgebrochen werden, weil der Zeichentrickfilm über Feen „viiiiiiel zu gruselig“ war. Meine Damen halten diese Form des Zeitvertreibs für absolut unangemessen – ja das hab ich jetzt davon! Seekrank – hin oder her.

Zwei Fragen könnten sich dem geneigten Leser noch stellen. Erstens: Wieso wir bei der Überfahrt nicht an Deck gegangen sind, da ist es bekanntlich besser mit der Übelkeit. Leider war das Deck aber gesperrt, weil aufgrund des Seeganges die Gefahr bestand herunter gespült zu werden.

Und Zweitens: Warum ich keine Tablette gegen Reiseübelkeit genommen habe, wo mir doch klar war, dass es so kommen konnte. Das hätte mein „Bauchbewohner/in“ nicht gut vertragen, wir bekommen nämlich im Juni noch einmal Nachwuchs.

Ich freue mich schon darauf, demnächst mehr von Irland zu schreiben. Mein Erster Eindruck ist, es ist ein Land genau nach meinem Geschmack – irgendwie rau und unbeugsam.

 

Das Abenteuer Rückreise und ein paar Gedanken zum „Schwestern sein“

Aus verschiedenen Gründen sind wir jetzt auf dem Rückweg, um über die Feiertage zuhause zu sein. Als wir im Oktober aufgebrochen sind, war aus Corona-Sicht zwar der Zeigefinger erhoben, aber wir hatten eigentlich keinerlei Probleme. Es war zwar ein Hauch von einem abenteuerlichen Gefühl zu spüren, wenn wir nachts im Nebel über die Grenze fuhren und erwarteten angehalten zu werden um irgendeinem Grenzbeamten zu erklären was wir vorhaben – es war aber kein Grenzbeamter da und wir haben auch sonst keinerlei Einschränkungen bemerkt.

Jetzt auf dem Rückweg sieht das schon anders aus, in Spanien haben wir bei 2 Grad Außentemperatur nachts auf einem LKW-Rastplatz gestanden, weil die örtlichen Behörden beschlossen haben die „Stromzapfstellen“ für Wohnmobile auf den dafür ausgezeichneten Plätzen coronabedingt zu schließen. Als wir gegen Mitternacht auf dem menschenleeren Platz neben den abgeschlossenen Stromkästen standen, kam mir das Ganze doch ein wenig absurd vor. Bitte wem könnten wir an diesem verlassenen Ort denn gefährlich werden – coronatechnisch gesehen und sonst eigentlich auch? Es war eine Szenerie bei der man erwartet, dass gleich wie in einem alten Western eine Kugel Steppengras durchs Bild rollt.

10 Minuten später standen wir dann eingepfercht zwischen zwei 40-Tonnen Brummis auf einem LKW- Rast Platz. Wenigstens sind wir nicht allein hab ich gedacht, während mein Stammhirn beschloss das nicht ganz so weit entfernte monotone Brummen zu ignorieren und sich der Frage nach der Ursache nicht weiter zu widmen. Also Gasheizung an im Wohnwagen, je zwei Kinder pro Bett – dann ist es wärmer – so wird’s die eine Nacht wohl gehen. Nachdem ich mich selbst dann auch zwischen meine 2 Grad kalten Daunen gemummelt hatte, beantwortete sich die nicht gestellte Frage nach dem Brummen von ganz alleine: Auch den freundlichen Brummifahrern wird bei 2 Grad kalt in ihrer Fahrerkabine, nur haben die keine Gasheizung wie wir, sondern die schmeißen einfach für ein Viertelstündchen den Motor an. Der Kollege neben uns hatte wohl gerade kalte Füße bekommen. Das gute Gefühl zu wissen das man nicht alleine ist?!

Am Morgen danach höre ich wie Evje zu Jette sagt „warum hast du mich eigentlich die ganze Nacht im Arm gehalten?“. Soviel schwesterliche Nähe ist sie gar nicht gewohnt. Ich beobachte schon seit ein paar Wochen, dass die Beziehungen unter den Kindern enger werden. Meiner Ansicht nach haben die vier vorher schon eine enge Bindung gehabt, aber die Reise, und ich glaube hauptsächlich die damit verbundene mentale Freiheit, tut ihnen sichtlich gut. Nachvollziehbar ist es bei näherem Hinsehen auf jeden Fall.

Die Große hat zu Schulzeiten morgens um zehn vor sieben das Haus verlassen – Bus fahren, Klassenkameraden, Lernen, Lehrerlaunen und alles was sonst so zum Schulalltag gehört und nochmal 50 Minuten Busfahren. Wenn Sie dann um 14 Uhr mit rauchendem Kopf, abgekämpft und mit Schmacht bis unter beide Arme nach Haus kam, ging ihr manchmal auch die überschwängliche Wiedersehensfreunde der kleinen Schwester auf den Nerv. Ich kann das absolut verstehen! Nur ist dann der Schultag noch nicht vorbei, schnell etwas essen und dann (wenn‘s gut läuft) noch eine Stunde Hausaufgaben. Sodass der Schultag einer 6.Klässlerin erst um 15.30 Uhr endet. Da bleiben bis zum Abendessen nur 2,5 Stunden für alles, was kleine Mädchen an einem Tag so machen wollen und emotionale Kapazitäten für Konfliktbewältigung sind, sagen wir mal, nur noch begrenzt vorhanden. Für die Grundschüler, die ja wenigstens einen gemeinsamen Schulwegweg haben, gilt das natürlich weniger. Aber auch die sind nach einem Schultag, insbesondere wenn es Streitereien in der Klasse gab (an denen sie in der Regel nicht beteiligt sind) einfach erstmal platt.

Das klingt vielleicht so als hätten die Mädels sich zuhause nicht gut verstanden oder nur gezankt, so war es ganz und gar nicht. Ich stelle nur deutlich fest, dass es noch besser geht, dass Konstellationen, die sonst schwierig waren, auf einmal gut gehen und dass die Mädels noch mehr aufeinander eingehen.

Die Großen bringen den Kleinen mit Engelsgeduld Skateboard fahren bei, Bücher werden ausgetauscht und akribisch besprochen und selbst beim Lernen unterstützen und motivieren sie sich gegenseitig.  Die Zeit und auch die mentale Freiheit sind endlich in ausreichendem Maß vorhanden.

Jedesmal wenn die Kinder in dieser Form in positive Interaktion miteinander treten, geht mir das Herz auf. Das sind meine persönlichen Mama-Glücksmomente, wenn ich mich zurücklehnen kann und den Vieren zusehe wie sie zusammen Spaß haben, sich helfen und es einfach genießen, dass sie sich haben. Das ist einfach das Beste am Mama sein, finde ich.

Winter in Portugal – Was wir brauchen – und wie es weiter geht

Nun ist es passiert; der „Winter“ hat in Portugal Einzug gehalten. Zumindest das, was man hier als Winter bezeichnet. Es waren seit letztem Donnerstag 10 Tage Regen Non-Stop angesagt. Das hat uns dazu bewogen kurzerhand unseren Krempel zusammen zu packen und uns ein hübsches Ferienhaus an der Zentral-Algarve zu mieten. Denn eines ist klar, 10 Tage Regen mit „Schule“ und Arbeiten im Wohnwagen, das wird nix!

Es ist schön hier im Ferienhaus und, da absolute Nebensaison ist, auch ein Schnäppchen mit Pool. Der ist allerdings draußen und „solar heated“, was bei der aktuellen Witterungslage eher unbeheizt entspricht 😉. Die Mädels waren mit viel Gequietsche natürlich trotzdem drin. Man kann es sich vorstellen, es war ein Heidenspaß!

Die Sache mit dem Dauerregen ist zum Glück etwas übertrieben. Es regnet täglich, aber eigentlich ist es vormittags schön und sonnig und nachmittags eben Regen. Sodass wir am Samstag eine tolle Wanderung an und auf einem nahegelegenen Berg machen konnten. Herrlich, ich liebe Berge!

 

Die aktuelle Wetterlage macht allerdings auch eines ganz klar, die Monate Januar, Februar, März werden wir in Europa kaum im Wohnwagen verbringen können. Lernen im Wohnwagen ist kein Problem, Arbeiten im Vorzelt oder im Auto auch nicht. Aber wir brauchen stabile 15 Grad schon am frühen Vormittag und möglichst wenig Regen, damit wir den verschiedenen Bedürfnissen nach Ruhe und Bewegung gerecht werden können.

Im Vorfeld habe ich mehrfach die ungläubige Rückfrage gehört „und dann seid ihr wochenlang zu sechst auf 12qm!?“ Unsere Campingerfahrung aus den letzten Jahren und auch aktuell ist eher, die Kinder können morgens gar nicht schnell genug rauskommen um auf Entdeckungstour zu gehen. Zu meinem Leidwesen ist es keine Seltenheit, dass ich meine Kinder morgens noch im Pyjama von der Rutsche fische und auf „Erst-Anziehen“ bestehe. (Ist ein echtes Luxusproblem, das ist mir klar.) Aber das Tolle daran ist, dass im Unterschied zu vielen anderen Möglichkeiten Urlaub zu machen, die meisten Campingplätze eben genau das bieten, es ist spannend genug um auf Entdeckungstour zu gehen (notfalls auch im Schlafanzug) aber so sicher, dass ich ein gutes Gefühl habe wenn die Kinder „unterwegs“ sind.

Trotzdem werden wir voraussichtlich die ersten Monate des Jahres in ein Ferienhaus ziehen. Nur wo? Wir wissen es noch nicht. Warm wäre schön.

Erstmal kommt Weihnachten, das wollen wir gern zuhause verbringen. Patric behauptet ich würde nur wegen der Weihnachtsdekoration nach Hause fahren wollen. Nicht nur … aber auch. Ich mag Weihnachten!

In diesem Sinne wünsche ich Euch und uns eine schöne Adventszeit!

Quer durch Spanien und bis ans Meer

Freitag der 13te, Tag des Aufbruchs. Nachdem wir eine Woche Spanien genossen haben brannte es uns doch in den Reiseschuhen. 

Wir hatten eine Alternativroute ausgetüftelt die unterhalb von Madrid einmal quer durchs Land führte und uns trotz der starken Reisebeschränkungen (Verbote seine Gemeinde zu verlassen, Ausgehverbote nach 21 Uhr usw.) am Freitag Nachmittag auf den Weg gemacht. 

Eine Herausforderungen an der Sache war unerwarteter Weise das Finden geöffneter Campingplätze, da viele nur ein Saisongeschäft führen.  Nach etwas hin und her waren  (die wahrscheinlich einzigen) Stationen auf der Strecke gefunden. 

Die Andere waren die Campingplätze selbst, die das ein oder andere „Abenteuer“ bereit hielten. Beides Orte, an denen ich mit dem Gedanken ins Bett gegangen bin „Oje, wo sind wir hier nur gelandet?“.  Mal ehrlich: wer baut denn eine Dusche, deren Eingang so schmal ist, das selbst ein nicht übermäßig breiter Mensch wie ich, seitwärts einrücken muss? Spannend. Schön daran ist die Erkenntnis, dass uns das und der ziemlich heruntergekommene Gesamteindruck eigentlich gar nichts ausgemacht haben.  Was wir brauchten war ein Platz an dem wir in der Nacht unseren Wohnwagen abstellen durften und Samstagmorgen Strom für den online Klavier- und Flötenunterricht hatten. Und das war da!

Am zweiten Abend in der Nähe von Mérida haben wir uns dann auf dem schlammigen Untergrund mit dem Auto festgefahren.  Wunderbar! Wenn ich daran denke, das wäre vor 4 Wochen irgendwo passiert, ich glaube es wäre anders gelaufen. Eigentlich war es sogar cool, Patric und die Kinder haben geschoben und Stöcker zum unterlegen gesucht und alle zusammen haben wir im wahrsten Sinne des Wortes die Karre aus dem Dreck geschoben. Als das Auto frei war haben die Kinder gejubelt und sich gefreut und waren stolz, weil wir es ohne sie nicht geschafft hätten. Es war ein einfach gutes Gefühl. Ich befürchte allerdings vor ein paar Wochen hätte Patric und mir die Ruhe und Frustrationsschwelle gefehlt diese Situation in ein so positives Erlebnis zu führen. Schade, denn ich finde, so sollte es doch eigentlich sein. 

Wie gut, das wir uns auf den Weg gemacht haben unsere Ruhe und Gelassenheit wieder zu finden. Als wir heute Nachmittag zusammen durch den Atlantik gelaufen sind ist noch ein großes Stück Gelassenheit angespült worden. Ich habe es eingesteckt, meinen Kindern beim Toben in den Wellen zugesehen und mich gefreut, dass ich die vier und diesen Mann an meiner Seite habe. Es könnte nicht besser sein!

Die erste Etappe

Wir sind auf dem Weg nach Portugal: „Warum?“ Bin ich viel gefragt worden: Die Wahrheit ist wohl sehr vielfältig und liegt in einem bunten Strauß zwischen „Corona-Flucht“ und Selbstfindung. Vielleicht schreibe ich irgendwann dazu mehr.

Heute gibt es erstmal einen Reisebericht der ersten Tage. Vor 6 Tagen haben wir alle unsere 4 Kinder ins Auto geladen, Weiterlesen