Das Abenteuer Rückreise und ein paar Gedanken zum „Schwestern sein“

Aus verschiedenen Gründen sind wir jetzt auf dem Rückweg, um über die Feiertage zuhause zu sein. Als wir im Oktober aufgebrochen sind, war aus Corona-Sicht zwar der Zeigefinger erhoben, aber wir hatten eigentlich keinerlei Probleme. Es war zwar ein Hauch von einem abenteuerlichen Gefühl zu spüren, wenn wir nachts im Nebel über die Grenze fuhren und erwarteten angehalten zu werden um irgendeinem Grenzbeamten zu erklären was wir vorhaben – es war aber kein Grenzbeamter da und wir haben auch sonst keinerlei Einschränkungen bemerkt.

Jetzt auf dem Rückweg sieht das schon anders aus, in Spanien haben wir bei 2 Grad Außentemperatur nachts auf einem LKW-Rastplatz gestanden, weil die örtlichen Behörden beschlossen haben die „Stromzapfstellen“ für Wohnmobile auf den dafür ausgezeichneten Plätzen coronabedingt zu schließen. Als wir gegen Mitternacht auf dem menschenleeren Platz neben den abgeschlossenen Stromkästen standen, kam mir das Ganze doch ein wenig absurd vor. Bitte wem könnten wir an diesem verlassenen Ort denn gefährlich werden – coronatechnisch gesehen und sonst eigentlich auch? Es war eine Szenerie bei der man erwartet, dass gleich wie in einem alten Western eine Kugel Steppengras durchs Bild rollt.

10 Minuten später standen wir dann eingepfercht zwischen zwei 40-Tonnen Brummis auf einem LKW- Rast Platz. Wenigstens sind wir nicht allein hab ich gedacht, während mein Stammhirn beschloss das nicht ganz so weit entfernte monotone Brummen zu ignorieren und sich der Frage nach der Ursache nicht weiter zu widmen. Also Gasheizung an im Wohnwagen, je zwei Kinder pro Bett – dann ist es wärmer – so wird’s die eine Nacht wohl gehen. Nachdem ich mich selbst dann auch zwischen meine 2 Grad kalten Daunen gemummelt hatte, beantwortete sich die nicht gestellte Frage nach dem Brummen von ganz alleine: Auch den freundlichen Brummifahrern wird bei 2 Grad kalt in ihrer Fahrerkabine, nur haben die keine Gasheizung wie wir, sondern die schmeißen einfach für ein Viertelstündchen den Motor an. Der Kollege neben uns hatte wohl gerade kalte Füße bekommen. Das gute Gefühl zu wissen das man nicht alleine ist?!

Am Morgen danach höre ich wie Evje zu Jette sagt „warum hast du mich eigentlich die ganze Nacht im Arm gehalten?“. Soviel schwesterliche Nähe ist sie gar nicht gewohnt. Ich beobachte schon seit ein paar Wochen, dass die Beziehungen unter den Kindern enger werden. Meiner Ansicht nach haben die vier vorher schon eine enge Bindung gehabt, aber die Reise, und ich glaube hauptsächlich die damit verbundene mentale Freiheit, tut ihnen sichtlich gut. Nachvollziehbar ist es bei näherem Hinsehen auf jeden Fall.

Die Große hat zu Schulzeiten morgens um zehn vor sieben das Haus verlassen – Bus fahren, Klassenkameraden, Lernen, Lehrerlaunen und alles was sonst so zum Schulalltag gehört und nochmal 50 Minuten Busfahren. Wenn Sie dann um 14 Uhr mit rauchendem Kopf, abgekämpft und mit Schmacht bis unter beide Arme nach Haus kam, ging ihr manchmal auch die überschwängliche Wiedersehensfreunde der kleinen Schwester auf den Nerv. Ich kann das absolut verstehen! Nur ist dann der Schultag noch nicht vorbei, schnell etwas essen und dann (wenn‘s gut läuft) noch eine Stunde Hausaufgaben. Sodass der Schultag einer 6.Klässlerin erst um 15.30 Uhr endet. Da bleiben bis zum Abendessen nur 2,5 Stunden für alles, was kleine Mädchen an einem Tag so machen wollen und emotionale Kapazitäten für Konfliktbewältigung sind, sagen wir mal, nur noch begrenzt vorhanden. Für die Grundschüler, die ja wenigstens einen gemeinsamen Schulwegweg haben, gilt das natürlich weniger. Aber auch die sind nach einem Schultag, insbesondere wenn es Streitereien in der Klasse gab (an denen sie in der Regel nicht beteiligt sind) einfach erstmal platt.

Das klingt vielleicht so als hätten die Mädels sich zuhause nicht gut verstanden oder nur gezankt, so war es ganz und gar nicht. Ich stelle nur deutlich fest, dass es noch besser geht, dass Konstellationen, die sonst schwierig waren, auf einmal gut gehen und dass die Mädels noch mehr aufeinander eingehen.

Die Großen bringen den Kleinen mit Engelsgeduld Skateboard fahren bei, Bücher werden ausgetauscht und akribisch besprochen und selbst beim Lernen unterstützen und motivieren sie sich gegenseitig.  Die Zeit und auch die mentale Freiheit sind endlich in ausreichendem Maß vorhanden.

Jedesmal wenn die Kinder in dieser Form in positive Interaktion miteinander treten, geht mir das Herz auf. Das sind meine persönlichen Mama-Glücksmomente, wenn ich mich zurücklehnen kann und den Vieren zusehe wie sie zusammen Spaß haben, sich helfen und es einfach genießen, dass sie sich haben. Das ist einfach das Beste am Mama sein, finde ich.

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