Von Lämmern, Regenbögen und Entschleunigung

Seit einer Woche sind wir auf der Insel, beziehungsweise auf der Halbinsel Kilcatherine, aufgrund der hier herrschenden Richtlinien befinden wir uns in Quarantäne und dürfen nirgendwo hinfahren.  Wir sind an einem Ort, an dem man nicht mal den Pizzadienst rufen kann, der nächste kleine Laden gute 20 km entfernt liegt und der nächste größere Supermarkt ist im rund 40 Minuten (eine Strecke!) entfernten Kenmare.

Quarantäne? Kein Problem! Wo sollen wir auch hin. Allerdings sind wir viel zu Fuß unterwegs, genau genommen sind wir in dieser Woche nicht weiter gekommen als unsere Füße uns getragen haben und es sieht nicht so aus, als ob sich das in der kommenden Woche ändern würde.

Erstaunlicherweise war es trotzdem in keiner Weise langweilig, wir haben nur andere Dinge erlebt. Zum Beispiel sind wir durch Zufall Zeugen einer Geburt von zwei kleinen Lämmern geworden. Der Schäfer half den beiden gerade auf die Welt als wir vorbeikamen, die Kinder und ich muss zugeben ich selbst auch, waren beeindruckt. Die kleinen Lämmer waren aber auch zu niedlich, seitdem waren wir jeden Tag dort und haben nachgesehen, ob die 2 und ihre Mutter wohlauf sind.

An einem anderen Tag war unser Spaziergang von einem Regenbogen nach dem anderen begleitet, ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht so viele Regenbögen gesehen.

In unserem Wohnzimmer steht ein Teleskop, mit dem wir tatsächlich eine Kolonie Robben beobachten können, die sich auf einigen vorgelagerten Felsen sonnen.

Die drei Großen klettern die Felsen hoch und runter, das sorgt für meine tägliche Portion Spannung und Adrenalin. Mich hätte als Kind auch nichts davon abgehalten dort rauf zu klettern, aber unten stehend bringt es mein Herz-Kreislauf-System in Schwung: es ist schon merkwürdig wie sich die Sicht im Laufe des Lebens ändert. Ganz selbstkritisch betrachtet sind die drei im Gegensatz zu mir vor ca. 25 Jahren kleine Angsthasen und machen Dinge lieber nicht, wenn sie sich nicht ganz sicher sind. Ich hätte es dann erst recht ausprobiert. (Mama, ich weiß nicht, wie du das ausgehalten hast?!)

Jedenfalls „erforschen“ die Drei auf ihren Streifzügen abseits der Straße Wasserfälle und Ruinen und dank Enid Bylton‘s „Fünf Freunde“ und der Fantasie kleiner und großer Mädchen erleben sie dabei ihre ganz persönlichen Abenteuer.

Es ist erstaunlich wie entschleunigt und gleichzeitig erlebnisreich und intensiv etwas sein kann. Wenn ich an meine eigene Kindheit zurückdenke, erinnere ich mich, dass ich ganze Sommer so verbracht habe. Ich habe viele kleine Dinge gesehen und erlebt, die ich auch heute noch detailgenau vor Augen habe. Bekommen Erinnerungen durch die Langsamkeit, in der sie passieren ihre Tiefe? Vielleicht. Für mich ist es jedenfalls ein Erinnerungsschatz und ich wünsche mir sehr, dass meine Mädchen aus dieser Zeit hier in Irland einen solchen Erinnerungsschatz mitnehmen. Letztendlich ist die Idee „to make memories“ der größte Treiber für diese Reisen gewesen.

Seit Jahrhunderten und länger ist Irland ein mystisches und magisches Fleckchen Land und mit etwas Glück können wir ein klein wenig Magie von diesem Zipfel der Welt mitnehmen.

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