Back on the road auch bei stürmischer See

Es war ein eine lange Pause oder wie das Känguru (von M.U. Kling) sagen würde „Hello again!“. Tatsächlich waren wir jetzt etwas ungeplant fast 7 Wochen, nämlich seit Mitte Dezember zuhause in Bissendorf. Seitdem hat sich einiges getan und unsere Abfahrt hat sich ungewollt bis Ende Januar verzögert. Auch hatte ich vor, von zuhause aus den ein oder anderen Beitrag zu schreiben. Daraus ist nichts geworden. Komisch, ich weiß auch gar nicht warum. Scherzhaft habe ich in den letzten Tagen etwas theatralisch behauptet ich hätte eine Schreibblockade, in Wirklichkeit hatte mich der Alltag zuhause so schnell wieder fest im Griff, dass ich mir den Luxus mir Zeit zum Schreiben zu nehmen, einfach nicht genommen haben. Schade, denn ich tue das wirklich gern.

Jetzt sitze ich in Irland, die Kinder schlafen, wir sind vor dem Abendessen ausgiebig spazieren gegangen und endlich gönne ich mir den Luxus wieder etwas zu schreiben. Es gibt tatsächlich eine Menge zu erzählen.

Wie wir hergekommen sind zum Beispiel. Ende Dezember haben wir dieses Ferienhaus in Süd-West Irland und eine Fährüberfahrt gebucht. Ende Dezember war Irland in Sachen Corona auch der Musterschüler der EU, leider änderte sich das kurz nach Weihnachten. Was bedeutet, dass wir nur mit negativem PCR-Test einreisen durften. Gut, ein weiterer Stop auf unserer Reiseroute. So ging es los am Donnerstagmorgen um sieben, von Bissendorf nach Düsseldorf zum Corona-Test „Zentrum“. Wer sich darunter jetzt etwas Modernes high-tech-mäßiges vorstellt, wird enttäuscht sein, ich war es jedenfalls. Es handelte sich dabei um einen Container mit zwei Fenstern auf dem Hof eines Baustoffhändlers. So standen wir also am Donnerstag um halb zehn im strömenden Regen auf dem Hof eines Düsseldorfer Baustoffhändlers. Zum Glück war das Ganze dann aber sehr schnell und unkompliziert abgefrühstückt, sodass wir weiter nach Frankreich fahren konnten. Wir haben kurz hinter der belgisch-französischen Grenze eine Ferienwohnung für den Zwischenstopp für eine Nacht gemietet.

Unsere Kinder sind wirklich unkompliziert was lange Fahrten angeht und ich bin immer wieder erstaunt, dass sie fünf Stunden Autofahren ohne quengeln und größere Pause einfach so mitmachen.  In diesem Fall sogar zwei bzw. drei Tage am Stück. Erst von Bissendorf nach Croix in Frankreich und am nächsten Tag von dort nach Cherbourg zur Fähre.

Tja und dann kam der harte Teil, von Cherbourg nach Rosslare in Irland. Wir sind schon ein paar Mal mit der Fähre gefahren: Kristiansand – Hirtshals, Dünkirchen – Dover und auch schon übernacht von Newcastle nach Amsterdam. Unsere Erfahrungen bisher waren durchweg positiv und das, obwohl ich eigentlich seekrank werde sobald ich mit dem Tretboot auf den Dümmer fahre. Auf Fähren war das bisher zum Glück kein Problem.

Was wir nicht bedacht hatten, es ist Winter und entsprechend stürmisch und von Frankreich nach Irland führt die Route über den Atlantik. Das es ein Fehler war wurde mir klar, als kurz nach der Abfahrt ein irischer Seebär von Kapitän mir erklärte, dass die Fahrt aufgrund des Wetters 3 Stunden länger dauert als geplant und dass ich die Hochbetten der Kinder zusätzlich mit der quergelegten Leiter zwischen Matratze und Rahmen sichern soll und mit einem breiten Grinsen etwas von „fun“, „sailing“ und Herausforderung sagt. Was kann ich sagen? Er hat nicht übertrieben, etwa eine halbe Stunde später ging es los und es dauerte 19 Stunden lang, es war wie 19 Stunden lang Achterbahn fahren. Positiv anzumerken ist, dass unsere Kinder absolut seefest sind. Leider hatten sie deshalb auch kaum Verständnis für die zwei ächzenden Fleischwürste auf den Kabinenbetten, die ihre Eltern darstellten. An dieser Stelle nochmal einen Dank an Patric, der letzte Kräfte mobilisiert hat und mit den Kindern sogar essen gegangen ist. Wäre ich allein gewesen, die Armen hätten hungern müssen. Das hätte ich nicht geschafft!

In Irland angekommen, drei Stunden später als geplant, hatten wir nochmal gute vier Stunden Fahrt in das County Cork vor uns, bis wir im Niemandsland südlich-westlich von Kenmare endlich unser Ferienhaus erreichten. Fester Boden, schaukelfreie Betten – ein Segen!

Auf Reisen lernt man ja oft auch einiges, manchmal über fremde Länder, Sehenswürdigkeiten oder andere Kulturen, meiner Erfahrung nach aber am meisten über sich selbst.

Was ich bei dieser Reise gelernt habe:

Wir sollten uns wirklich mehr mit dem Wetter beschäftigen, das Atlantik im Winter nicht das Gleiche ist wie Ärmelkanal im Sommer hätte man ahnen können. Wobei ich ehrlicher Weise sagen muss, dass ich während der Überfahrt der festen Überzeugung war, dass es grob fahrlässig von der Fährgesellschaft ist diese Fährverbindung nicht deutlich als „gefährlich“ zu kennzeichnen. So in der Art wie es auf Zigarettenpackungen der Fall ist. ?

Wenn ich Kolumbus gewesen wäre, wäre Trump dieser Tage kein Thema gewesen, bis dahin wäre ich nämlich auf gar keinen Fall gekommen.

Reisen ist „unser Ding“, das wissen wir schon länger, aber wenn es so unglücklich läuft und am Ende trotzdem Alles in Allem alles gut gelaufen ist und auch die Kinder nach drei Tagen im Auto und einer unendlich langen Überfahrt gut zufrieden ankommen – dann ist das wahrscheinlich schon das Richtige.

Ein Eingeständnis noch an alle, die uns immer gesagt haben „ihr könnt die Kinder doch nicht ohne Fernsehen groß werden lassen“. Für alle die es nicht wissen, ein Outing: unsere Kinder schauen kein Fernsehen. Es gibt wenige Ausnahmen: selten mal bei Oma oder Opa, Bildungsfilme in der Schule bzw. jetzt eben auch zuhause und Finja hat drei Romanverfilmungen aus den 50ziger Jahren gesehen, von Büchern die sie zuvor gelesen hatte.
Jedenfalls hatte ich auf der Fähre den ersten Augenblick in 11 Jahren Mutterschaft in denen ich das bereut habe. Nachdem wir die Kinder die partout nicht wollten, bezirzt hatten sich das Kinderkino doch bitte, bitte wenigstens mal anzusehen, nur dieses eine Mal… musste die Unternehmung nach nicht mal 20 Minuten abgebrochen werden, weil der Zeichentrickfilm über Feen „viiiiiiel zu gruselig“ war. Meine Damen halten diese Form des Zeitvertreibs für absolut unangemessen – ja das hab ich jetzt davon! Seekrank – hin oder her.

Zwei Fragen könnten sich dem geneigten Leser noch stellen. Erstens: Wieso wir bei der Überfahrt nicht an Deck gegangen sind, da ist es bekanntlich besser mit der Übelkeit. Leider war das Deck aber gesperrt, weil aufgrund des Seeganges die Gefahr bestand herunter gespült zu werden.

Und Zweitens: Warum ich keine Tablette gegen Reiseübelkeit genommen habe, wo mir doch klar war, dass es so kommen konnte. Das hätte mein „Bauchbewohner/in“ nicht gut vertragen, wir bekommen nämlich im Juni noch einmal Nachwuchs.

Ich freue mich schon darauf, demnächst mehr von Irland zu schreiben. Mein Erster Eindruck ist, es ist ein Land genau nach meinem Geschmack – irgendwie rau und unbeugsam.