Schule unterwegs! Wie geht das eigentlich?

Bei der Vorbereitung auf diese Reise war einer der wichtigsten Punkte die Schulbildung unserer Mädels. Das deutsche Bildungssystem ist auf die Tatsache, dass jemand nicht den Luxus der Betreuung im deutschen Klassenzimmer in Anspruch nehmen möchte, schlicht nicht eingestellt – zumindest nicht in Niedersachsen. Es geht nur: ganz oder gar nicht. Unter bestimmten Voraussetzungen entfällt die Schulpflicht, diese Voraussetzungen haben wir erfüllt … und dann? Dann ist quasi alles egal und in unserer eigenen Verantwortung. Nun aber kommt die Sache mit dem eigenen Anspruch dazu. Da wir es schön fänden, wenn die Kinder im Falle einer Rückkehr in ihre alten Klassen zurückkehren könnten, sollen sie natürlich auch das Lernen, was ihre Altersgenossen zuhause lernen. Um das zu erreichen haben wir verschiedene Ansätze gewählt. Erstens, wir haben sämtliche in den Schulen verwendete Schulbücher gekauft, zweitens haben wir uns die Kerncurricula des Niedersächsischen Bildungsministeriums heruntergeladen und drittens wissen wir neuerdings, dass Lehrer sich ihr Material gegenseitig im Internet verkaufen. Cool!

Ein Wort zum Kerncurriculum: grauenhaft! Ich habe mir die Dinger heruntergeladen mit der Erwartungshaltung, dass drin steht, was die Kinder lernen sollen. Ich hatte wirklich keinen Ken Follett erwartet, aber das … halt auch nicht. Zumal zum Thema was die Kinder lernen sollen bestenfalls kryptische Andeutungen gemacht werden. Wenn es allerdings darum geht wie die Kinder lernen sollen, schweifen die Ausführungen eher in den Bereich Fantasy ab. Ich habe die Kerncurricula gelesen, es war ein Wechselbad der Gefühle überwiegend zwischen „Ach, so hätte das laufen sollen“ und Mitgefühl gegenüber den Lehrern die in einer Klasse mit über 20 Kindern diese Standards umsetzen sollen. Also diese „Quelle“ war für uns eher ein Flop, was daran liegen mag, dass ich eben nicht Pädagogik studiert habe.

Ganz praktisch sieht das Ganze jetzt also folgendermaßen aus:
Mit den Grundschülern hangeln wir uns in den Hauptfächern einfach an den Schulbüchern entlang und ergänzen durch meist kostenlose Arbeitsblätter aus dem Internet oder auch individuelle Ideen und Spiele. Die Sachfächer bestreiten wir mit von Lehrern im Internet verkauften „Themenpaketen“, da gibt es wirklich tolle Sachen für kleines Geld.

Englisch Klasse 3 … da stehe ich mit dem Schulbuch auf Kriegsfuß. Das ist mir einfach zu bunt und chaotisch. In diesem Fall habe ich mir die Freiheit genommen es anders zu machen. Jette und ich lesen zusammen ein englisches Kinderbuch. Wir übersetzen zusammen, schreiben die für das Verständnis wichtigen Vokabeln auf und lesen uns abwechselnd vor, wobei es sich ganz natürlich ergibt, dass wir die englische Aussprache gezielt üben.

Der Religionsunterricht hat sich als prima Fach erwiesen um quasi „klassenübergreifend“ zu arbeiten. Das macht allen Spaß, aktuell bearbeiten wir passend das Thema „Weihnachten in anderen Ländern“. Wir lesen gemeinsam inhaltlich relevante Texte und anschließend schreiben und malen die Kinder, je nach Alter unterschiedlich ausführlich, kleine „Merkzettel“ für die Mappe.

Gymnasium Klasse 6 ist da schon anspruchsvoller, aber trotzdem gut machbar. Auch Finja arbeitet mit den Schulbüchern und Arbeitsheften, mit denen sie auch in der Schule gearbeitet hat. Ergänzt durch Übungen aus dem Internet und aus den Arbeitsheften des letzten Schuljahres. Denn man merkt deutlich, dass im letzten Halbjahr, bedingt durch Corona, tatsächlich nicht aller Stoff durchgenommen wurde; zum Beispiel Bruchrechnung, welche aber im Schulbuch dieses Jahr als bekannt vorausgesetzt wird. Und wenn mein eigenes Wissen eingeschlafen ist oder mein Kind und ich nicht die gleiche Sprache sprechen, hilft youtube.de. Es gibt tolle Videos von Lehrern, die bestimmte Themen erklären. Zuletzt haben wir auch eine Lösung für „das Lateinproblem“ gefunden: „Das Lateinproblem“ wurde bei uns zum geflügelten Wort, da Patric und ich beide kein Latein sprechen und somit auch keine Chance haben irgendetwas Sinnvolles zu Lernprozess beizutragen, unser liebes Kind ist allerdings ein Lateinfreak und kann nur sehr schlecht auf das Lieblingsfach verzichten. Das sich eine Sprache bei 11jährigen nicht für das Selbststudium anbietet war auch klar. Die Suche hat www.sofatutor.de als beste Möglichkeit ergeben. Auf dieser Lernplattform wird der gesamte Lernstoff nach Jahrgängen sortiert mit Erklärvideos und Übungen angeboten, bei Fragen stehen Lehrer telefonisch oder per Chat zur Verfügung.

Mein Fazit an dieser Stelle: Es ist schon aufwendig, wenn die Kinder in Eigenregie lernen. Man lernt selbst viel Neues. Und wie viele andere Themen auf dieser Reise, es übt Outside-the-Box zu denken. Denn wenn einem niemand genau sagt was man wann lernen muss, ist das Feld dessen was man lernen kann schier unüberschaubar. Das bedeutet, dass man am Ende seiner eigenen Entscheidung vertrauen muss und für alles was daraus resultiert, ob gut oder schlecht, selbst verantwortlich ist. Diese Verantwortung wiegt einiges und das Gefühl die Verantwortung (zumindest scheinbar) an Schule, Lehrer und Vater Staat abzugeben hat durchaus seinen Reiz.

Leider bin ich der Überzeugung, dass man, oder zumindest ich, Verantwortung gegenüber sich selbst oder seinen Kindern gar nicht abgeben kann, nicht an einen Arzt, nicht an einen Lehrer oder einen Erzieher. Denn am Ende lebe doch immer ich irgendwie mit den Konsequenzen. „Leider“ deshalb, weil es in der Regel nicht der einfachere Weg ist.

Ich kann also für mich sagen, ich trage die Verantwortung und betreibe auch den damit verbundenen Aufwand gern. Aber ich bin mir auch sicher, dass das nicht jedermanns Sache ist.

Und eins noch dazu … es macht richtig Spaß! Aber dazu mehr im nächsten Beitrag.

Quer durch Spanien und bis ans Meer

Freitag der 13te, Tag des Aufbruchs. Nachdem wir eine Woche Spanien genossen haben brannte es uns doch in den Reiseschuhen. 

Wir hatten eine Alternativroute ausgetüftelt die unterhalb von Madrid einmal quer durchs Land führte und uns trotz der starken Reisebeschränkungen (Verbote seine Gemeinde zu verlassen, Ausgehverbote nach 21 Uhr usw.) am Freitag Nachmittag auf den Weg gemacht. 

Eine Herausforderungen an der Sache war unerwarteter Weise das Finden geöffneter Campingplätze, da viele nur ein Saisongeschäft führen.  Nach etwas hin und her waren  (die wahrscheinlich einzigen) Stationen auf der Strecke gefunden. 

Die Andere waren die Campingplätze selbst, die das ein oder andere „Abenteuer“ bereit hielten. Beides Orte, an denen ich mit dem Gedanken ins Bett gegangen bin „Oje, wo sind wir hier nur gelandet?“.  Mal ehrlich: wer baut denn eine Dusche, deren Eingang so schmal ist, das selbst ein nicht übermäßig breiter Mensch wie ich, seitwärts einrücken muss? Spannend. Schön daran ist die Erkenntnis, dass uns das und der ziemlich heruntergekommene Gesamteindruck eigentlich gar nichts ausgemacht haben.  Was wir brauchten war ein Platz an dem wir in der Nacht unseren Wohnwagen abstellen durften und Samstagmorgen Strom für den online Klavier- und Flötenunterricht hatten. Und das war da!

Am zweiten Abend in der Nähe von Mérida haben wir uns dann auf dem schlammigen Untergrund mit dem Auto festgefahren.  Wunderbar! Wenn ich daran denke, das wäre vor 4 Wochen irgendwo passiert, ich glaube es wäre anders gelaufen. Eigentlich war es sogar cool, Patric und die Kinder haben geschoben und Stöcker zum unterlegen gesucht und alle zusammen haben wir im wahrsten Sinne des Wortes die Karre aus dem Dreck geschoben. Als das Auto frei war haben die Kinder gejubelt und sich gefreut und waren stolz, weil wir es ohne sie nicht geschafft hätten. Es war ein einfach gutes Gefühl. Ich befürchte allerdings vor ein paar Wochen hätte Patric und mir die Ruhe und Frustrationsschwelle gefehlt diese Situation in ein so positives Erlebnis zu führen. Schade, denn ich finde, so sollte es doch eigentlich sein. 

Wie gut, das wir uns auf den Weg gemacht haben unsere Ruhe und Gelassenheit wieder zu finden. Als wir heute Nachmittag zusammen durch den Atlantik gelaufen sind ist noch ein großes Stück Gelassenheit angespült worden. Ich habe es eingesteckt, meinen Kindern beim Toben in den Wellen zugesehen und mich gefreut, dass ich die vier und diesen Mann an meiner Seite habe. Es könnte nicht besser sein!

Wenn sich geschlossene Grenzen nach Freiheit anfühlen

Da sind wir also am Mittwoch in l’Ampolla angekommen, im Dunkeln und im Sturm. Der Sturm ist uns auch noch ein paar Tage erhalten geblieben. Das war gut so, es war als hätte der Sturm Gedanken, Gefühle und innere Einstellungen davon geweht, die wir auf unserem Abenteuer nicht länger brauchen können und als der störende Ballast weg war kam die Sonne raus.  Und nun sitzen wir täglich draußen – Continue reading

Die erste Etappe

Wir sind auf dem Weg nach Portugal: „Warum?“ Bin ich viel gefragt worden: Die Wahrheit ist wohl sehr vielfältig und liegt in einem bunten Strauß zwischen „Corona-Flucht“ und Selbstfindung. Vielleicht schreibe ich irgendwann dazu mehr.

Heute gibt es erstmal einen Reisebericht der ersten Tage. Vor 6 Tagen haben wir alle unsere 4 Kinder ins Auto geladen, Weiterlesen